
Der Einkaufswagen vor der Kühltheke im REWE an der Königsbrücker Straße hat ein Rad, das bei jeder Drehung kurz hängen bleibt und dann ruckartig nachzieht. Ich kenne dieses kleine Ruckeln inzwischen auswendig, weil ich dort fast jede Woche mit Mila stehe und abwäge, wie viel Verhandlung in meinem Tank noch übrig ist, bevor zwischen den Joghurtbechern irgendetwas kippt.
Hinweis vorab, weil es ehrlicher ist, das gleich zu sagen: In diesem Beitrag stecken Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich schreibe hier nur über Sachen wie das Elternförderprogramm, die ich als alleinerziehende Mama in meinem eigenen Alltag wirklich ausprobiert habe – mehr dazu auf meiner Über-mich-Seite.
Was mir dieses Programm bisher tatsächlich gegeben hat, ist nicht ein Kind ohne Trotz – das wäre auch mit viel Geld nicht zu kaufen. Es ist eher ein Gerüst für die Momente, in denen vorher einfach nur Chaos war: Eine Autonomiephase mit Mila fühlt sich seitdem weniger an wie freier Fall und mehr wie ein Gelände, auf dem ich wenigstens ungefähr weiß, wo die nächste Stolperstelle liegt.
Alleinerziehende in der Autonomiephase haben keine Pause
Als alleinerziehende Mama in Dresden-Neustadt im Homeoffice merkt man schnell: Es gibt kein Tag-Team. Wenn ich mitten in einer Übersetzung stecke und Mila gleichzeitig beschließt, dass heute niemand ihr die Jacke anziehen darf, kann ich nicht einfach kurz rausgehen, während jemand anders übernimmt. Jede Eskalation landet bei mir, meistens parallel zu einer E-Mail vom Verlag, die eigentlich eine Antwort braucht.
Monatelang habe ich versucht, Wutanfälle wegen Kleinigkeiten gelassen zu begleiten, aber ohne System bin ich immer wieder an meiner eigenen Erschöpfung gescheitert. Deshalb habe ich angefangen, ganz bewusst nach einem echten Elterncoaching-Programm zu suchen, nicht nur nach drei Tipps für zwischendurch.
Fünf Minuten Vorwarnung, trotzdem Chaos im Flur
Letzten Monat bin ich an einem dieser Standard-Erziehungstipps hängen geblieben: Kinder vorher ankündigen, was als Nächstes passiert, damit der Übergang leichter fällt. Also habe ich Mila fünf Minuten vor dem Losgehen angekündigt, dass wir jetzt die Gummistiefel anziehen. Fünf Minuten später lag ein matschiger Stiefel mitten im Flur, Mila schrie, ich schrie, und von einem sanften Übergang war nichts mehr zu sehen. Es hat schlicht nicht geklappt, obwohl ich alles nach Lehrbuch gemacht hatte.
Diesen Widerstand gegen den reinen Übergang kenne ich inzwischen gut, auch wenn er sich jedes Mal wieder neu anfühlt.
Der erste Kauf war ein 28-Minuten-Pflaster
In einer dieser Nächte, in der Mila endlich schlief und ich nur noch den kalten Rest Pfefferminztee vor mir hatte, habe ich das Trotzphase Videoseminar gekauft. Mit seinen 28 Minuten passt es genau in die kurze Lücke zwischen zwei Aufwachphasen, und der Anbieter ist nach eigener Aussage seit fast neun Jahren am Markt, also kein Eintagsfliegen-Projekt. Es hat mir geholfen, grob zu verstehen, was in Milas Kopf gerade passiert, aber nach den 28 Minuten saß ich trotzdem wieder allein da, wenn sie mitten im Tobsuchtsanfall war. Es blieb eine Übersicht, keine Begleitung.
Kurz darauf bin ich auf das Elternförderprogramm gestoßen, das deutlich strukturierter aufgebaut ist. Lange gezögert habe ich trotzdem, weil es für mich als Alleinerziehende viel Geld auf einmal ist, über das ich zweimal nachdenken musste. Dazu kommt: Der Anbieter ist nach eigener Auskunft erst gut anderthalb Jahre am Markt, es gibt also noch wenig Langzeiterfahrung von anderen Nutzerinnen, die ich hätte querlesen können. Trotzdem hat mich die Aussicht auf einen begleiteten Weg über drei Monate überzeugt, der die gesamte Zeit zwischen ein und vier Jahren abdeckt, nicht nur die akute Trotzphase.
Drei Monate lang Schritt für Schritt üben
Das Programm läuft über drei Monate, Schritt für Schritt, was mir als disziplinierter Übersetzerin eigentlich entgegenkommt. Zusatz-Upsells gibt es laut Kursbeschreibung keine, was ich nach dem Videoseminar sehr zu schätzen gelernt habe.
Besonders ein Modul zur eigenen Selbstregulation hat bei mir etwas verschoben – sinngemäß geht es darum, erst den eigenen Puls runterzubekommen, bevor man überhaupt versucht, Mila zu begleiten. Das Programm nennt es nicht ausdrücklich Co-Regulation, aber genau darauf läuft es hinaus: Ohne meine eigene Ruhe bringt jede Technik nichts. Wenn Mila zum Beispiel nicht aus der Badewanne will, merke ich inzwischen den Unterschied zwischen einem Machtkampf, den ich unbedingt gewinnen will, und einer Situation, in der es eigentlich nur um ihre Autonomie geht und ich gar nicht gewinnen muss.
Das Elternförderprogramm zum Anker machen
Was das Elternförderprogramm für mich gerade zum Anker macht, ist eigentlich simpel: Der Drei-Monats-Weg gibt mir Halt, wenn der Tag sonst im Chaos versinkt, er deckt die ganze Entwicklung zwischen ein und vier Jahren ab und nicht nur die akuten Wutanfälle, und die Übungen lassen sich tatsächlich zwischen Abwasch und Laptop einschieben, ohne dass ich extra Zeit dafür freischaufeln müsste.
Ganz rund ist davon trotzdem nichts. Letzten Sonntag gab es wieder eine lange Debatte darüber, warum wir nicht um Mitternacht auf den Spielplatz dürfen, und statt ruhig zu bleiben, bin ich kurz laut geworden, bevor ich mich an ein Modul erinnert und neu angesetzt habe. Wer stärker auf die reine Kommunikation setzen will, dem würde ich eher Konfliktleichtigkeit empfehlen – das arbeitet mit einem GFK-Ansatz und baut sehr auf Sprache als Werkzeug, was mir als jemandem, der beruflich mit Sprache arbeitet, eigentlich entgegenkommt. Es ist seit zehn Jahren auf dem Markt und bringt nach dem Hauptprogramm noch ein Upsell mit, das mich bisher nicht überzeugt hat. Für meine aktuelle Erschöpfung war das Elternförderprogramm trotzdem der verlässlichere Rahmen.
Woche sechs: Der Joghurt landet von selbst aufs Band
Unten im Haus wohnt Swantje Breuer, meine Nachbarin im ersten Stock. Letzte Woche klemmte plötzlich die Bremse an Milas Buggy, und bevor ich überhaupt gefragt hatte, ob sie kurz schauen könnte, hatte Swantje sie schon mit einer Zange gelöst und wieder eingestellt, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Diese stille Art, Dinge einfach zu reparieren, ohne erst zu fragen, ob man Hilfe will, ist mir in dieser Phase öfter eine Erleichterung, als sie vermutlich ahnt.
Seit Woche sechs merke ich trotzdem einen Unterschied, auch wenn ich ihn nicht genau datieren kann. Letzte Woche im REWE an der Königsbrücker Straße hat Mila den Joghurtbecher von sich aus auf das Band gelegt, während ich noch mit der Hafermilch beschäftigt war, und wir sind ohne eine einzige Szene durch die Kasse gekommen. Keine Verhandlung, kein Nein, einfach: Becher, Band, weiter.
Ein leiser Sonntagabend in der Neustadt
Jetzt sitzt Mila seit einer Stunde im Schlaf, und der Pfefferminztee auf dem Tisch ist wieder komplett kalt. Irgendwann nach Mitternacht fängt die alte Heizung im Flur an, leise zu kratzen, fast wie ein Uhrwerk mit einem Sandkorn im Zahnrad, und das ist inzwischen eines der wenigen Geräusche, bei denen ich nicht zusammenzucke. Früher hätte mich der nächste Morgen schon jetzt nervös gemacht, vor dem nächsten Kampf an der Haustür oder davor, ob wir wieder beim Thema Begrüßung aneinandergeraten. Heute bin ich müde, aber nicht mehr hilflos, und das ist ein Unterschied, den ich nicht unterschätzen will.
Ilse, eine Leserin, die mir nach fast jedem Sonntagspost kurz schreibt, hat mich neulich gefragt, was ich eigentlich konkret anders mache als vor zwei Monaten. Die ehrlichste Antwort, die mir einfällt: Ich prüfe inzwischen vorher kurz, ob ich in dem Moment überhaupt noch Kapazität zum Verhandeln habe, oder ob nur eine klare, kurze Ansage drinsteckt – und ich eskaliere seltener, wenn ich mir diese halbe Sekunde ehrlich beantworte, statt es einfach zu versuchen, weil ich es eigentlich sollte. Falls du gerade an dem Punkt bist, an dem jeder Schuh zur Grundsatzdebatte wird: Schau dir das Elternförderprogramm einmal an, die aktuellen Konditionen stehen direkt auf der Seite des Anbieters. Es nimmt Mila nicht das Nein weg, aber es gibt mir eine Landkarte für ein Gelände, in dem ich mich vorher ständig verlaufen habe.