
Der Marktstand mit dem Gemüse auf dem Wochenmarkt am Alaunplatz hat die Kisten noch nicht mal richtig aufgebaut, da sitzt Mila schon zwischen zwei Ständen auf dem Pflaster und drückt die leere Tüte gegen die Brust. Falsche Tüte, durchsichtig statt mit den gelben Punkten drauf – für mich ein Detail, für sie der Weltuntergang. So sehen Gefühlsausbrüche bei uns aus, seit Mila mitten in der Trotzphase steckt, und als Alleinerziehende bekomme ich sie ungefiltert und ohne Pause-Taste ab.
Kurzer Hinweis vorweg: In diesem Text stecken Affiliate-Links, unter anderem zu einem Elternkurs, den ich selbst gebucht habe. Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe hier nur über Dinge, die bei uns tatsächlich im Alltag gelandet sind – meine volle Offenlegung steht auf der Über-mich-Seite.
Ein Videoseminar reichte mir irgendwann nicht mehr
Ich übersetze seit vier Jahren Romane aus dem Französischen, freiberuflich, von zuhause aus. Genauso lange ungefähr bin ich jetzt auch Mama, und Erziehung kommt mir manchmal vor wie ein Manuskript ohne Wörterbuch übersetzen: Man ahnt die Bedeutung, hat aber keine Ahnung, welches Wort als Nächstes kommt.
Am Anfang hatte ich mir das Trotzphase Videoseminar geholt – 28 Minuten, die man zwischen zwei Wutanfällen wegschauen kann und die zumindest grob erklären, was gerade im Kopf eines dreijährigen Kindes passiert. Für den ersten Überblick war das völlig ausreichend. Aber irgendwann reicht ein Erste-Hilfe-Video nicht mehr, wenn man eigentlich eine Landkarte durch die ganze Autonomiephase braucht.
Struktur statt Bauchgefühl im Erziehungsalltag
Also habe ich mir das Elternförderprogramm genauer angeschaut. Es ist ein strukturierter 3-Monats-Weg, der die Jahre 1 bis 4 komplett abdeckt, nicht nur die akute Trotzphase. Kein Zusatz-Upsell nach dem Kauf, keine Kleingedruckte-Überraschung – man zahlt einmal und hat den ganzen Weg.
Neu ist das Programm auch nicht mehr – es ist seit etwa 1,6 Jahren am Markt, lange genug, um eingespielt zu wirken, ohne dass ich mich wie ein Versuchskaninchen gefühlt hätte.
Das deckt wirklich den ganzen Erziehungsalltag ab
Kurze Antwort: größtenteils ja, aber nicht magisch. Erziehung findet bei uns oft in der Öffentlichkeit statt, in einem Viertel wie der Dresdner Neustadt, wo an der Kasse gerne mal jemand mitschaut. Dieser Beobachtungsdruck von außen war für mich lange das Schlimmste am Ganzen, schlimmer fast als der Wutanfall selbst.
Andere Bausteine sind konkreter. Es geht um die Machtkampf-Dynamik, die entsteht, wenn beide Seiten auf stur schalten – zum Beispiel bei der Sache mit der Jacke, die partout nicht angezogen werden will. Es geht um GFK-Bedürfnisse, also darum, hinter dem Nein die eigentliche Sache zu suchen, die gerade fehlt. Es geht um Frustrationstoleranz, die bei einem Dreijährigen naturgemäß noch dünn ist, und um körperliche Autonomie, dieses Bestehen darauf, den Reißverschluss selbst hochzuziehen oder eben selbst zu entscheiden, wie die Hände gewaschen werden – dazu hier mehr, falls dich das auch nervt.
Wie lange so eine Trotzphase insgesamt dauert, beantwortet das Programm nicht mit einer festen Zahl – das ist von Kind zu Kind einfach zu unterschiedlich.
Was mir am meisten geholfen hat, waren eigentlich die unscheinbaren Konzepte: die eigene Erschöpfungsschwelle rechtzeitig zu erkennen, bevor ich selbst kippe. Co-Regulation, also dass mein eigener ruhiger Ton Milas Nervensystem tatsächlich mit runterfahren kann, auch wenn das im Moment nicht danach aussieht. Übergangswiderstand, dieses Nicht-mehr-vom-Spielplatz-Wegkommen-Wollen. Und dieser Anspannungsrückstau, der sich am Nachmittag aufbaut und dann bei der kleinsten Kleinigkeit explodiert.
Der Moment am Marktstand, der nicht nach Plan lief
Trotzdem lief es an besagtem Markttag nicht gut. Nach der Sache mit der Tüte hat Mila angefangen zu kreischen, richtig laut, mit dem ganzen Körper. Und ich? Ich habe nicht ruhig geatmet und die Situation gehalten. Ich habe mitgebrüllt, mitten zwischen den Marktständen, und danach tagelang ein schlechtes Gewissen gehabt.
An einem anderen Tag lief dieselbe Art Nein ganz anders. Ich hatte Mila gebeten, die Buntstifte wegzuräumen, sie hat kurz aufgeschaut, Nein gesagt, keine Erklärung, und einfach weitergemalt. Kein Kreischen, kein Kampf. Ich habe es dabei belassen und die Stifte selbst weggeräumt, als sie fertig war.
Das Elternförderprogramm ist kein Zauberstab, der aus Kreischen automatisch Ruhe macht. Es ist eher wie ein Vokabelheft, das man immer wieder aufschlägt, bis manche Reaktionen fast automatisch kommen – und andere trotzdem entgleisen.
So entscheide ich, wann ich eingreife und wann ich abwarte
Meine Faustregel inzwischen: Ist der Auslöser Müdigkeit oder Hunger, warte ich einfach ab und halte nur körperliche Nähe, ohne zu reden. Ist es dagegen ein Autonomie-Thema – wer die Schuhe anzieht, welche Tüte, welche Farbe der Becher hat – biete ich zwei echte Wahlmöglichkeiten an, bevor der Kampf überhaupt losgeht. Das funktioniert nicht immer, aber öfter als früher, als ich einfach nur reagiert habe.
Beim Helm fürs Laufrad war das ganz ähnlich (falls du das Laufrad-Drama auch kennst, hier mehr dazu) – körperliche Autonomie ernst nehmen heißt manchmal einfach, zwei Minuten länger zu warten, statt den Helm mit Gewalt aufzusetzen.
Meine Freundin Henrike hat mir neulich einfach ein Buch in den Briefkasten gelegt, ohne ein Wort dazu – manchmal ist genau das die Unterstützung, die an einem Markttag mit schlechtem Gewissen wirklich hilft.
Falls du gerade selbst das Gefühl hast, von einem Wutanfall zum nächsten zu stolpern: Du musst nicht alles allein herausfinden. Schau dir das Elternförderprogramm ruhig mal an, wenn du Struktur statt nur gute Ratschläge suchst – es hat bei uns im Alltag tatsächlich etwas verändert, auch wenn der nächste Marktbesuch garantiert nicht perfekt läuft.