Trotzphase im Urlaub bewältigen: Wie wir die Ferien ohne großes Drama genießen

2026.08.05
Alleinerziehende Mutter und Kleinkind am Meer während der Trotzphase im Urlaub

Elf Nachrichten bekam ich, nachdem ich in einer Eltern-Whatsapp-Gruppe kurz erwähnt hatte, dass wir mit einer Dreijährigen mitten in der Trotzphase in den Urlaub fahren. Alle elf drehten sich um dieselbe Frage: Ist das nicht Wahnsinn, als Alleinerziehende mit einem Kind zu verreisen, das gerade jeden Schuh zur Grundsatzdebatte macht? Kurze Antwort: nein. Die lange Antwort steht hier.

Bevor es weitergeht, ein kurzer Hinweis: Dieser Text enthält Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich schreibe nur über Methoden, die ich in echten Nächten mit einer schreienden Dreijährigen tatsächlich ausprobiert habe. Die vollständige Offenlegung steht auf meiner Über-mich-Seite.

Mit einer Dreijährigen in den Urlaub

Nein, muss er nicht – aber er sieht anders aus als der Urlaub von Familien, deren Kinder gerade nicht mitten in dieser Phase stecken. Vieles, was wie Trotz aussieht, ist eigentlich pure Autonomiephase: Mila will gerade einfach alles selbst entscheiden, vom Schuh bis zur Eissorte, und ein Urlaub mit fremden Betten und neuen Regeln macht dieses Bedürfnis nur lauter, nicht anders. Wenn sie schreit, steckt fast immer ein Bedürfnis dahinter, das sie noch nicht in Worte fassen kann – der Kern dessen, was gewaltfreie Kommunikation genannt wird.

Gelber Gummistiefel im Flur als Sinnbild für den Schuh-Machtkampf vor dem Urlaub in der Trotzphase

Was hinter dem Geschrei steckt, wenn ein Eis auf der Hand landet

Bei uns passierte es am Strand, kurz nach der Ankunft. Sie hielt ihr Eis mit beiden Händen, ein Tropfen fiel auf ihren Handrücken, und innerhalb von Sekunden lag sie schreiend im Sand. Ich griff instinktiv zum Handy und hielt ihr ein YouTube-Video mit singenden Tieren hin, in der Hoffnung, das lenkt sie ab. Es machte alles schlimmer. Sie schrie noch lauter, schlug nach dem Bildschirm, und andere Urlauber drehten sich nach uns um – dieser Druck, beobachtet zu werden, macht in solchen Momenten alles noch schwerer.

Frustrationstoleranz nennt man das Ding, das bei Dreijährigen einfach noch kaum ausgebildet ist – ein Klecks Eis ist für sie keine Kleinigkeit, sondern eine Katastrophe, die sich gerade nicht regulieren lässt. Das zu wissen, hat mir am Strand nicht sofort geholfen. Es hat mir später geholfen, mir selbst zu verzeihen, dass ich nicht cool geblieben bin.

Ablenkung hilft selten, Verbindung schon eher

Was am Ende half, war nicht Ablenkung, sondern das Gegenteil: kurz innehalten, ihre Wut benennen, warten, bis die erste Welle abklingt. Fachleute nennen das Co-Regulation – ich nenne es, ihr meinen Puls leihen, wenn ihrer gerade durchdreht. Wie ich dahin komme, ohne selbst laut zu werden, beschreibe ich ausführlicher in dem Text darüber, wie wir wieder mehr Harmonie finden – im Urlaub war das nötiger als sonst.

Im Urlaub kommt dazu, dass sich Anspannung über den Tag anders staut als zu Hause – neue Betten, fremde Geräusche, kein vertrauter Mittagsschlafplatz. Was tagsüber an kleinen Reizen liegen bleibt, kommt abends geballt raus, oft an einer Kleinigkeit, die gar nicht der eigentliche Grund ist.

Laptop mit Online-Kurs zur gewaltfreien Kommunikation neben einem Tagebuch, abends nach dem Urlaub

Welche Hilfsmittel uns wirklich getragen haben

Die Methode, die uns am Ende am meisten getragen hat, war die Konfliktleichtigkeit für Familien – kein klassisches Erziehungsprogramm, sondern ein Ansatz, der sich auf Sprache als Werkzeug konzentriert und schon seit zehn Jahren am Markt ist, was mir als Alleinerziehende ein sicheres Gefühl gibt. Als Übersetzerin war das sofort meins: die Welt eines anderen Menschen über seine Worte verstehen, auch wenn der andere Mensch gerade drei Jahre alt ist und noch keine ganzen Sätze bildet.

Der erste Kauf allerdings war das Trotzphase Videoseminar – kaum 28 Minuten lang, genau richtig für die Lücken zwischen zwei Kinder-Wachphasen. Es gab einen ersten Überblick, ging an die eigentliche Tiefe aber nicht wirklich heran, gerade wenn es um meinen eigenen Stresspegel als Alleinerziehende ging.

Für die Zeit nach dem Urlaub liegt außerdem das Elternförderprogramm bereit, ein strukturierter Weg über drei Monate, der die gesamte Zeit von eins bis vier Jahren abdeckt. Ich habe es mir vorgenommen, wenn wieder mehr Struktur gebraucht wird als am Strand.

Zurück zur Konfliktleichtigkeit-Methode: Was mir am Strand konkret geholfen hat, war ein einziger Satz-Baustein – benennen, was das Kind gerade fühlt, ohne es zu bewerten. „Du wolltest das Eis ganz alleine halten, und jetzt klebt es, das fühlt sich doof an." Kein Vortrag, kein Nachtreten. Nur übersetzen, was gerade passiert.

Diese Phase geht vorbei

Thea Reiber, die ich vom Kita-Tor kenne, hat genau das mal in einem Satz beantwortet: dass diese Phase vorbeigeht, auch wenn sich das gerade nicht danach anfühlt. Sie erzählt das nie ungefragt, nur wenn man wirklich fragt. Wie lange genau so eine Phase dauert, ist noch mal ein eigenes Thema für sich – bei jedem Kind sieht das anders aus.

Meine eigene Erschöpfungsschwelle liegt als Alleinerziehende näher, als ich zugeben möchte, das hat mir dieser Urlaub deutlich gezeigt. Es gibt keinen Partner, der mal eben übernimmt, während ich fünf Minuten allein am Wasser stehe. Eine Freundin von mir läuft jeden Morgen fünf Kilometer an der Elbe, bevor ihre Kinder wach werden – mein Ausgleich sah im Urlaub eher nach kaltem Tee auf dem Balkon der Ferienwohnung aus, und das musste reichen.

Was seitdem anders läuft

Am Strand war das Gehen-Müssen oft schlimmer als alles andere – der Übergang vom Spielen zum Aufbrechen, nicht der Ort selbst, war der eigentliche Auslöser. Diesen Widerstand gegen Übergänge sehe ich inzwischen auch im Alaunpark, wenn der Nachmittag zu Ende geht.

Neulich, wieder zu Hause, saßen wir im Alaunpark auf einer Decke, Küchenrolle griffbereit für die nächste Eis-Katastrophe. Ich sagte Nein zur dritten Kugel, und Mila schaute mich kurz an, seufzte theatralisch – und aß einfach weiter ihr Brot. Kein Schreien, kein Sandwurf, nur ein Kind, das gerade ausprobiert, wie sich ein Nein anfühlt, das nicht bekämpft werden muss.

Vieles davon ist auch einfach körperliche Autonomie – sie will selbst entscheiden, was auf ihrem Körper landet, vom Schuh bis zur Jacke, und je weniger ich daraus einen Machtkampf mache, desto schneller ist die Sache vorbei. Wie wir versuchen, die Kommunikation im Alltag zu verbessern, und wie wir das Jacken-Drama am Morgen gelöst haben, steht ausführlicher in den beiden verlinkten Texten.

Diesen Text schreibe ich wie immer, nachdem Mila schläft, an meinem klapprigen Schreibtisch im zweiten Stock, das Sprossenfenster einen Spalt offen zum Hinterhof. Neben einem Notizblock, der nie ganz zuklappt, stapeln sich französische Romane, im Kallax-Regal daneben stehen Wörterbücher und ihre Bilderbücher dicht an dicht. Der Mokka in der Kanne ist meist schon kalt, wenn ich endlich davon trinke, draußen legt sich das schiefe Licht der Hoflaterne über die Gardine, und irgendwo hinter mir ächzt leise die alte Heizung.

Drama-frei war der Urlaub nicht, aber er war ein Anfang – und vielleicht ist das schon der ehrlichste Tipp für andere Eltern in dieser Phase: nicht auf null Wutanfälle hoffen, sondern auf ein bisschen weniger Drama als beim letzten Mal. Wir schaffen das, irgendwie, mit kaltem Tee und einer Küchenrolle in Reichweite.