Warum ein Trotzphase Videoseminar mir half, das ewige Nein zu verstehen

2026.05.06
Zuletzt aktualisiert
Trotzphase Videoseminar Alltag: eine erschöpfte Mutter und ihr trotzendes Kleinkind in Dresden-Neustadt

Ein Ring vom kalten Tee hat sich in den Lack des Untersetzers gebrannt, an der Stelle, wo die Tasse seit einer Weile unangetastet steht. Der Grund liegt nebenan im Kinderzimmer und heißt Mila, und der Mythos, an den ich selbst geglaubt habe, war denkbar einfach: Sie sagt Nein, weil sie testen will, wie weit sie bei mir kommt. Ein Trotzphase-Videoseminar, das ich mir als alleinerziehende Übersetzerin in Dresden-Neustadt zwischen zwei Übersetzungsdeadlines reingezogen habe, hat mir gezeigt, wie sehr ich danebenlag.

Mein erster Reflex war Abwehr: noch ein Video, noch ein Versprechen, das nichts hält. Bevor es weitergeht, kurz der Hinweis: Manche Links in diesem Text führen zu Kursen, die ich tatsächlich gekauft und durchgearbeitet habe; kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich für dich am Preis etwas ändert.

Mila reagiert seit einiger Zeit auf fast jede Ansage mit diesem einen Wort, und wenn ich versuche, ihr die Sache logisch zu erklären, komme ich mir vor wie jemand, der ohne Wörterbuch ein Gedicht übersetzen soll. Was gerade in ihr passiert, hat einen Namen — die Autonomiephase — und wie lange genau so eine Phase dauert, ist eine Frage für sich, die ich hier nicht aufmache. Zermürbend ist vor allem, dass diese Auseinandersetzungen keine Pause kennen; wo genau die eigene Erschöpfungsschwelle liegt, merkt man meistens erst, wenn man sie schon überschritten hat.

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Der Mythos hinter dem ewigen Nein in der Trotzphase

Als Literaturübersetzerin sitze ich die meiste Zeit an einem wackligen Schreibtisch am Sprossenfenster, wo sich französische Romane neben einem Notizblock stapeln, der nie ganz leer wird, und das Regal daneben ist halb Wörterbücher, halb Bilderbücher. Genau dieses Handwerk hilft mir keinen Millimeter weiter, wenn Mila mir abends erklärt, dass sie die Jacke selbst zumachen will, obwohl der Reißverschluss seit Wochen klemmt. Der Mythos, den ich am Anfang für wahr gehalten habe, klang ungefähr so: Ein Kind, das ständig widerspricht, testet die Grenzen, um zu sehen, wie weit es gehen kann. Das Video hat diese Vorstellung ziemlich schnell auseinandergenommen.

Trotzphase-Alltag: ein einzelner Kinderschuh liegt verlassen im Flur einer Dresdner Altbauwohnung

Bevor ich das Seminar überhaupt gekannt habe, bin ich schon oft an diesem Punkt gescheitert, an dem aus einer normalen Weigerung ein ausgewachsener Streit wurde. Wutanfälle verstehen und begleiten klingt in der Theorie simpel, in der Praxis steckt dahinter unter anderem die Idee, dass hinter jedem Nein ein echtes Bedürfnis steckt, das erst einmal gehört werden will — ein Gedanke aus der Gewaltfreien Kommunikation, den ich hier nicht weiter auseinandernehme.

Eine Freundin von mir büffelt gerade mit einer Sprachlern-App Portugiesisch, jeden Abend ein paar Minuten, und sie hat neulich gesagt, dass sich das Wiederholen einer falschen Verbform manchmal anfühlt wie ein Nein, das man immer wieder hört, bis es plötzlich sitzt. Wie belastbar die Frustrationstoleranz eines Kleinkindes an so einem Abend wirklich ist, ist wieder ein eigenes Kapitel, aber ihr Vergleich hat mir geholfen, das Ganze weniger persönlich zu nehmen.

Sagt sie Nein zu mir oder Ja zu sich selbst?

Auf das Trotzphase Videoseminar bin ich über eine Empfehlung in einer Eltern-Gruppe gestoßen, an einem Abend, an dem der Tee schon wieder kalt geworden war, bevor ich ihn austrinken konnte. Skepsis war mein Grundzustand: Was soll ein Video in 28 Minuten leisten, was zehn verzweifelte Google-Suchen nicht geschafft haben. Der Anbieter ist nach eigenen Angaben seit gut acht Jahren am Markt, was zumindest gegen eine reine Eintagsfliege spricht, und genau diese 28 Minuten waren die Zeitspanne, die zwischen „Kind schläft endlich" und meiner eigenen Erschöpfung noch reinpasste.

Trotzphase Videoseminar auf dem Laptop neben einer Schüssel kalt gewordener Nudeln auf dem Küchentisch

Der Satz, der bei mir hängengeblieben ist, ging sinngemäß so: Ihr Nein hat nichts mit dir zu tun, es ist kein Angriff, sondern der Versuch, zum ersten Mal selbst zu entscheiden. Kein Geistesblitz, eher ein leises Klicken — als würde ein Wort, das ich jahrelang falsch übersetzt hatte, plötzlich seine richtige Bedeutung bekommen. Das Chaos wurde dadurch nicht weniger, aber es fühlte sich zum ersten Mal nicht mehr wie ein persönlicher Angriff an.

Das Trotzphase Videoseminar als Kurskorrektur

Nach dem Seminar bin ich bei der Konfliktleichtigkeit für Familien hängengeblieben, die stärker auf der Gewaltfreien Kommunikation aufbaut und weniger auf schnelle Tricks setzt. Co-Regulation heißt dort ein Baustein, der beschreibt, wie mein eigener Zustand Milas Zustand mitprägt — ein eigenes Thema, das über diesen Text hinausgeht. Für eine Übersetzerin ist die Idee, dass Sprache Verbindung schaffen kann statt nur Gehorsam einzufordern, fast schon ein Berufsvergnügen.

Das Elternförderprogramm habe ich mir ebenfalls angesehen, weil es die komplette Kleinkindzeit über drei Monate abdeckt, aber mit Übersetzungsfristen im Nacken war mir dieser Umfang gerade zu groß. Andere Eltern mit mehr Luft im Kalender profitieren davon vermutlich mehr; ich bin für mich erst mal bei den kleineren Bausteinen geblieben.

Wann ein Nein zum Machtkampf wird

Am Wochenende waren wir auf den Lingnerterrassen, und auf dem Rückweg wollte Mila partout nicht in den Buggy. Ich habe den Gurt trotzdem festgezogen, während sie sich gewunden hat wie ein nasser Fisch, und genau in diesem Moment habe ich selbst einen kleinen Machtkampf angezettelt, obwohl ich es eigentlich besser wusste. Es hat nicht funktioniert — sie hat sich rausgestrampelt, ich musste den restlichen Weg tragen, und meine Schultern haben es mir am nächsten Tag übelgenommen.

Gelbe Gummistiefel auf dem Weg zu den Lingnerterrassen in Dresden-Neustadt, mitten in der Trotzphase

Thea Reiber, eine andere Mutter aus Milas Kita-Gruppe, stand am nächsten Morgen am Tor neben mir, während ihr Sohn Felix schon ziemlich gelassen ins Gebäude schlenderte. Sie hat nur gesagt, dass diese Phase irgendwann vorbei ist, auch wenn man mittendrin keinen Beweis dafür sieht, und dann ist sie weitergegangen, ohne mir einen einzigen ungefragten Ratschlag hinterherzurufen.

Weiterfragen statt Diskutieren: Meine neue Faustregel

Ein paar Tage später, auf dem Spielplatz, ist Mila von selbst zu mir rübergelaufen und hat gesagt, sie wolle jetzt nach Hause: kein Ziehen, kein Verhandeln, einfach ihre eigene Entscheidung. Diesen Übergangswiderstand beim Gehen-Müssen kenne ich sonst nur als Drama, und dass er diesmal ausblieb, lag vermutlich daran, dass ich sie vorher gefragt hatte, statt sie nur zu informieren.

Die Regel, die seitdem bei mir hängengeblieben ist, ist simpel: Bevor ich auf ein Nein reagiere, frage ich mich kurz, ob es wirklich um die Sache geht oder nur darum, dass sie selbst entscheiden durfte. Geht es um die Entscheidung, biete ich ihr, wo es geht, eine echte Wahl zwischen zwei Dingen an, die ich beide mittragen kann. Geht es um Sicherheit — die Straße, die heiße Herdplatte —, gibt es keine Wahl, aber ich bleibe dabei ruhig und verhandle trotzdem nicht.

Falls bei euch gerade auch jedes Wort zur Verhandlungssache wird, lohnt sich ein Blick auf das Trotzphase Videoseminar. Es ersetzt keine Kinderärztin und keine Erziehungsberatung, aber für den ganz normalen Wahnsinn zwischen Spielplatz und Buggy-Gurt war es für mich der richtige erste Schritt. Für ähnliche Kämpfe im Auto habe ich mir außerdem schon Tipps für den Kindersitz angeschaut, für den Tag, an dem der Kindersitz zum nächsten Schlachtfeld wird. Der Tee auf meinem Tisch ist inzwischen wieder kalt, aber der Ring auf dem Untersetzer stört mich heute etwas weniger.