
Lavendelschaum auf kaltem Fliesenboden, dazu ein Kind, das sich rückwärts aus der Wanne wringt wie ein nasser Aal. Mehr braucht es gerade nicht, um unseren ganzen Abend kippen zu lassen. Ich bin alleinerziehend mit einer Dreieinhalbjährigen mitten in der Trotzphase, und der Kleinkind-Alltag hat sich in den letzten Wochen fast komplett ums Baden gelegt. Nach Elternberatung suche ich an solchen Abenden ständig, mit dem Handy im Bett, viel zu spät, mit der Verzweiflung eines Menschen, der eigentlich einen Roman übersetzen sollte und stattdessen Foren nach Trotzphase-Tipps durchforstet.
Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: In diesem Text stecken Affiliate-Links zu Dingen, die bei uns wirklich im Einsatz waren. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich wird nichts teurer. Empfohlen wird hier nur, was ich selbst an Abenden mit kaltem Tee und wenig Geduld ausprobiert habe. Mehr dazu auf meiner Transparenz-Seite.
Warum Baden zum Machtkampf in unserem Kleinkind-Alltag wurde
Seit ungefähr zwei Monaten hat sich das Nein in unserer Wohnung breitgemacht wie ein zweiter Mitbewohner. Jeder Schuh im Flur wird verhandelt, jedes Abendessen ist ein Kompromiss. Das Baden, früher der ruhigste Moment unseres Tages, ist inzwischen der Endgegner. Diese Autonomiephase, mitten in der Mila gerade steckt, macht aus jeder Kleinigkeit eine Grundsatzfrage.
Was ich mittlerweile ahne: Dahinter steckt eine simple Machtkampf-Dynamik, nicht einfach schlechte Erziehung von mir. Dazu kommt ein Stück körperliche Autonomie – wessen Hände über ihren nassen Körper wischen, entscheidet Mila gerade sehr genau selbst. Als Alleinerziehende trifft mich das doppelt hart. Niemand übernimmt kurz, wenn meine Geduld zu Ende ist. Es gibt nur mich, den Lavendelduft und Milas absolute Weigerung, auch nur einen Zeh ins Wasser zu halten.
Ein Videoseminar, 28 Minuten, wenig Tiefe
Vor acht Wochen, genau an diesem Verzweiflungspunkt, habe ich mir spontan ein kurzes Trotzphase Videoseminar gekauft. Knapp 28 Minuten lang, passt zwischen zwei Kinder-Aufwachphasen, seit fast neun Jahren auf dem Markt. Die empfohlene "umgekehrte Psychologie" hat bei uns aber nur dazu geführt, dass Milas Zahnbürste in der Toilette landete. Kein Scherz. Ich brauchte etwas mit mehr Tiefe, mehr Struktur, etwas, das mich durch die ganze Woche trägt und nicht nur durch einen einzigen Abend.
Mit dem Elternförderprogramm Struktur reinbringen
Nach diesem ersten Monat purer Verzweiflung bin ich beim strukturierten Elternförderprogramm gelandet. Kein Quick-Fix, sondern ein begleiteter Weg über drei Monate, der die ganze Spanne von eins bis vier Jahren abdeckt – praktisch, weil Mila mittendrin steckt. Tagsüber tippe ich komplizierte französische Metaphern, klebrigen Erdbeersaft noch an den Fingern, weil Mila unbedingt selbst schneiden wollte. Abends höre ich mir die Module an, während der Tee kalt wird.
Muttersein in dieser Phase fühlt sich manchmal an wie Übersetzen ohne Wörterbuch. Man ahnt die Bedeutung, aber der genaue Ton fehlt einem ständig. Das Programm hat mir gezeigt, dass Bade-Dramen selten etwas mit Wasser zu tun haben. Es geht um Übergänge. Wir hatten früher Stress an der Haustür, und im Bad steckt derselbe Übergangs-Widerstand dahinter, nur mit mehr Schaum. Sobald ich das Tempo rausnehme, bevor die Eskalation losgeht, verändert sich spürbar was.
Was am Hechtpark plötzlich anders war
Wir wohnen mitten in der Dresdner Neustadt, und der Spielplatz am Hechtpark ist unser Nachmittagsfixpunkt. An einem schwülen Augustabend kam Mila von dort nach Hause, die Knie voller Sand, ein Eisrest am Kinn. Früher hätte ich "Mila, ab in die Wanne, jetzt!" gesagt, und das Drama wäre programmiert gewesen. Diesmal habe ich stattdessen eine "Unterwasser-Expedition" für ihre Plastikdinos vorbereitet und ihr die Kontrolle über das Wasserthermometer gegeben, natürlich unter Aufsicht.
Kein Kampf gegen sie, sondern ein gemeinsames Projekt. Andere Tage sehen anders aus – wenn sie zum Beispiel anfängt, mit Sachen zu werfen, ist es oft dasselbe Bedürfnis nach Wirksamkeit, das gerade im Bad auftaucht. Nur eben lauter.
Der Abend, an dem ich zurückgebrüllt habe
Damit hier kein falsches Bild entsteht: Letzten Sonntag war ich so müde, dass ich zurückgebrüllt habe. Nicht einmal, sondern mehrmals, bis Mila nur noch geweint hat und ich mich selbst kaum wiedererkannt habe. Danach saß ich tagelang mit einem schlechten Gewissen da, weil ich genau wusste, dass es nichts gebracht hat – außer dass wir beide erschöpfter ins Bett gefallen sind als vorher.
Die meisten Erziehungsratgeber gehen davon aus, dass irgendwo ein Backup wartet. Wer alleine ist, hat nur die eigene emotionale Regulation als Werkzeug, mehr nicht. Das Elternförderprogramm bietet mir da einen Halt, den ich sonst nur von meinen Wörterbüchern kenne – eine verlässliche Quelle, wenn ich selbst nicht mehr weiterweiß. Für Alleinerziehende ist der Preis auf einen Schlag happig, aber für meine Nerven war es das wert, zumal danach keine Zusatzverkäufe folgten.
Woche zehn: der Mund geht schon auf
Diese Woche, an einem ganz gewöhnlichen Dienstagabend, ist mir etwas aufgefallen: Ich hatte die Zahnbürste noch nicht einmal aus dem Glas genommen, da stand Mila schon mit offenem Mund vor mir und wartete. Keine Ansage von mir, keine Verhandlung. Nur diese kleine, fast beiläufige Geste, die zeigt, dass sich über die Wochen etwas verschoben hat, bei ihr und bei mir.
Wer lieber sprachlich arbeitet und dem der GFK-Ansatz liegt, für den lohnt sich vielleicht auch Konfliktleichtigkeit für Familien. Dort geht es stark um das Bedürfnis hinter dem Verhalten statt um feste Abläufe, was mir als Übersetzerin natürlich entgegenkommt. Nur ersetzt die beste Ich-Botschaft-Theorie nichts, wenn das Kind gerade mitten in der Eskalation steckt – da hilft nur, durchzuhalten und es später noch einmal zu versuchen.
Henrike hat mir heute Nachmittag geschrieben, aus Leipzig, wie so oft mit einem Detail, an das ich selbst längst nicht mehr gedacht hatte – dass ich ihr vor Wochen genau von diesem Zahnbürsten-Chaos erzählt hatte. Sie merkt sich solche Sachen einfach, ich nicht. Jetzt schläft Mila, im Kinderzimmer ist es still, und aus der Küche höre ich nur noch dieses gleichmäßige, tiefe Brummen, das der Kühlschrank macht, sobald im Rest der Wohnung endlich Ruhe einkehrt.
Was bei mir hängen geblieben ist nach zehn Wochen: Es geht nicht darum, den Widerstand zu besiegen, sondern das Tempo so weit rauszunehmen, dass aus dem Kampf ein gemeinsames Projekt werden kann – manchmal klappt das, manchmal eben nicht, und beides gehört dazu. Wenn du gerade an dem Punkt bist, an dem jedes Baden sich wie ein Kraftakt anfühlt: Es wird nicht plötzlich perfekt, aber es wird handhabbar. Wenn dich außerdem interessiert, wie andere Abendrituale bei uns aussehen, zum Beispiel wenn das Kind die Nase nicht putzen will, findest du hier im Blog noch mehr von diesen Sonntagabend-Protokollen.