Trotzphase und Sauberwerden bewältigen: Wenn das Töpfchen zum Machtkampf wird

2026.06.15
Trotzphase und Sauberwerden: Mutter und Kleinkind beim stillen Machtkampf ums Töpfchen in einer Dresdner Neustadt-Wohnung

Französische Verben lassen sich so lange biegen, bis der Satz endlich stimmt. Eine Dreijährige auf dem Töpfchen lässt sich dagegen gar nichts sagen. Genau dazwischen spielt sich gerade mein Alltag als alleinerziehende Mutter in der Trotzphase hier in Dresden-Neustadt ab, und beim Sauberwerden knallt es im Moment am lautesten.

Kurzer Stopp, bevor es weitergeht: Ein paar Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Kauft ihr darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es für euch teurer wird. Ich schreibe nur über Dinge, die ich zwischen Übersetzungs-Deadlines und Milas Wutanfällen selbst ausprobiert habe. Alles Weitere dazu steht auf meiner Über-mich-Seite.

Mila ist jetzt drei Jahre und sieben Monate alt, und seit acht Wochen heißt bei uns fast alles erstmal Nein. Dann kam mit voller Wucht auch noch die Autonomiephase beim Töpfchen dazu. Dabei dachte ich, das größte Stück läge schon hinter uns – Mila wollte keine Windeln mehr, fand sich „groß genug“. Und dann wurde aus Wollen ganz schnell ein Machtkampf.

Sauberwerden als neue Bühne für den Machtkampf

Mein Job besteht normalerweise darin, französische Sätze so lange zu drehen, bis sie im Deutschen atmen. Am Schreibtisch such ich nach dem richtigen Wort für Sehnsucht, während nebenan entschieden wird, dass das Töpfchen heute der Feind ist. Wir waren schon mal in einer ähnlichen Sackgasse — ich hab davon in meinem Post über den Wutanfall nach der Kita geschrieben —, aber das Töpfchen-Thema fühlt sich nochmal persönlicher an, wie ein Scheitern auf ganzer Linie.

Als Alleinerziehende im Homeoffice bringt so ein Nachmittag nicht nur den Vormittag durcheinander, sondern gleich den ganzen Arbeitstag. Niemand übernimmt kurz, wenn ich eigentlich ein paar ruhige Minuten bräuchte, um einen Absatz zu Ende zu denken. Ich bin danach diejenige, die den Boden wischt, während die S-Bahn draußen vorbeirattert und mir sagt, dass der Rest der Stadt einfach weitermacht, auch wenn bei uns gerade alles stillsteht.

Pfütze auf dem Parkettboden nach einem gescheiterten Töpfchen-Versuch in der Sauberwerden-Phase

Warum Ignorieren bei uns nicht funktioniert hat

Vor ein paar Tagen hab ich es mit Ignorieren versucht. Die Idee: ruhig bleiben, nichts sagen, irgendwann hört der Trotz von allein auf. Mila hat sich stattdessen auf den Boden geworfen und immer lauter geschrien, und je länger ich so tat, als würde ich weiter in meiner Übersetzung lesen, desto heftiger wurde es. Nach ein paar Minuten musste ich sie hochnehmen, während sie noch zappelte und brüllte.

Von wegen, es hört von allein auf.

Für mich als Übersetzerin fühlt sich das erschreckend bekannt an. Erzwinge ich ein Wort im Satz, klingt der ganze Rest hölzern — der Text muss atmen dürfen. Beim Sauberwerden ist es wohl ähnlich, nur dass hier niemand am nächsten Morgen ein Lektorat macht, das mir sagt, wo ich zu fest gezogen habe.

28 Minuten, die den Druck rausgenommen haben

Gefunden hab ich danach das Trotzphase Videoseminar, an einem Abend, an dem ich für einen dicken Ratgeber schlicht keine Kraft mehr hatte. 28 Minuten, seit über acht Jahren am Markt, mehr Überblick als Tiefe — aber genau diese Kürze hat gereicht, damit bei mir ein Groschen fiel: Bei uns geht es beim Töpfchen weniger um die Blase als ums Bestimmtwerden. Mehr hab ich daraus mitgenommen, den Rest musste ich selbst herausfinden.

Ragna auf dem Wochenmarkt

Ich versuche seitdem öfter, Gewaltfreie Kommunikation anzuwenden, auch wenn mir die Ich-Botschaften in der Hitze des Moments noch oft wegrutschen. Über einen Anbieter, der genau diesen GFK-Ansatz seit zehn Jahren unterrichtet, Konfliktleichtigkeit für Familien, hab ich früher schon geschrieben — eine Methode, die bei mir geblieben ist, auch wenn die Sätze mir manchmal noch hölzern über die Lippen kommen.

Auf dem Wochenmarkt auf dem Alaunplatz bin ich letzten Samstag Ragna über den Weg gelaufen, einer befreundeten Alleinerziehenden aus unserem Netzwerk. Zwischen den Marktständen hab ich ihr die Töpfchen-Geschichte erzählt, halb als Klage, halb als Witz. Ragna hört sich sowas nie nur höflich an, sie sagt einfach, was sie denkt, ohne dass es böse gemeint wäre. „Du drängst sie“, meinte sie. „Hör auf zu drängen und schau, was passiert.“ Das waren keine ungefragten Erziehungstipps von einer fremden Person im Vorbeigehen — ich brauche gerade keine große Elternberatung, ich brauche genau solche Sätze von jemandem, der selbst mittendrin steckt.

Ein paar Tage später hab ich gar nicht mehr nach dem Töpfchen gefragt. Am Mittwoch hat Mila mich beim Malen nur kurz angeschaut, als ich sie doch fragte — einen Wimpernschlag lang, dann Nein gesagt und weiter mit dem Buntstift übers Papier gefahren.

Kein Geschrei. Keine Verhandlung.

Ich saß daneben und merkte, wie sich etwas in mir löste, das seit Wochen fest verkrampft war.

Den Zeitplan über Bord werfen

Es gibt keinen Fahrplan, an den sich ein dreijähriges Kind hält. Braucht Mila noch ein paar Monate Windeln, dann ist das eben so, egal wie laut mein eigener Terminkalender nach einer sauberen Lösung ruft. Der Fehler lag bei mir: Ich wollte das Sauberwerden in meinen Zeitplan als Alleinerziehende pressen, nicht in ihren.

Das Elternförderprogramm, das über drei Monate begleitet und einiges mehr abdeckt als nur die Trotzphase, liegt bei mir vorerst auf Eis. Als Freiberuflerin fehlt mir gerade die Zeit, mich strukturiert durch ein komplettes Programm zu arbeiten. Vielleicht später, wenn wir aus der akutesten Phase raus sind.

Was acht Wochen wirklich verändert haben

Abends, wenn Mila schläft, sitze ich noch am Fenster zum Hinterhof, Stapel französischer Bücher neben der Tastatur, ein Notizblock, der nie ganz zuklappt. Im Regal daneben stehen Wörterbücher und ihre Bilderbücher wild durcheinander. Gegen zehn schiebt sich das Licht der Hoflaterne schräg durch den Vorhang, ein schmaler gelber Streifen quer über die Tastatur, jeden Abend an derselben Stelle. Der Mokka ist meistens schon kalt, wenn ich endlich dazu komme, ihn zu trinken.

Edda, eine Leserin, die seit meinem dritten Post regelmäßig kommentiert, hat neulich wieder geschrieben — mitten in der Nacht, so wirkte es jedenfalls, als ich es am nächsten Morgen las. Es tut gut zu wissen, dass jemand anderes zur gleichen Uhrzeit an denselben Fragen sitzt.

Was am Ende bleibt, ist keine fertige Lösung, sondern eine Verschiebung: Ich frage seltener, dränge seltener, und wenn Mila Nein sagt, versuche ich, es als Antwort zu nehmen statt als Herausforderung. Drängen bringt bei uns beiden nachweislich nichts außer mehr Tränen, das ist die eine Lektion aus acht Wochen, die hängen geblieben ist. Steckt ihr gerade auch zwischen Pfützen und Trotzanfällen fest, hilft vielleicht schon, für ein paar Tage gar nicht zu fragen. Und falls ihr eine kurze Orientierung sucht, ohne euch durch einen dicken Ratgeber zu kämpfen: Das Trotzphase Videoseminar bietet genau das — mehr Überblick als Tiefe, aber genug, um aus dem eigenen Tunnelblick rauszukommen.